Ich bin ehrlich.
Auch ich bin manchmal ein Frosch.
Viele Dinge im Leben sind sehr beängstigend.
„Habe ich genug Geld, um alle meine Rechnungen zu bezahlen?“
„Was, wenn der Krieg, der schon so nah ist, zu uns ins Land kommt?“
„Mache ich mich lächerlich, wenn ich einen Vortrag halte?”
„Muss ich mich wirklich provokant in der Öffentlichkeit zeigen, um gesehen zu werden?“
Für manche Menschen können aber auch die kleinen Dinge im Leben große Hürden bedeuten.
Nach dem Weg zu fragen.
Sich unter Menschen zu trauen.
Dem anderen seine Meinung zu sagen oder auch mal „Nein“ zu antworten.
Es gibt viele Gründe, auch mal „Frosch“ zu sein.
Das ist ja per se nichts Schlimmes. Zunächst vielleicht etwas schüchtern oder schreckhaft auf etwas Unbekanntes zu reagieren, kann auch eine gewisse Berechtigung haben und als Schutz dienen.
Wenn solche Gedanken aufkommen, die mich in mein „Froschdasein“ katapultieren, begegne ich ihnen zum Beispiel mit Neugier.
- Warum denke ich das gerade?
- Was steckt wirklich hinter dieser Frage?
- Ist diese Angst berechtigt?
Oftmals merke ich, dass ich in ein Muster verfalle. In etwas, das mir vertraut ist und mir Sicherheit gibt.
Auch wenn es die Angst ist, die mich „beruhigt“.
Das klingt paradox, aber so sind wir Menschen nun einmal.
Wir bevorzugen einen uns vertrauten Zustand gegenüber dem Unbekannten.
Sicherheit stand schon immer an erster Stelle, wenn es um das Überleben ging.
Warum sollte es heute anders sein?
Tatsächlich sind die Dinge, die uns heute ängstigen und schreckhaft machen, aber meistens nicht mehr sicherheitskritisch.
Im Gegenteil.
Sie sind gesellschafts- und menschengemacht.
Es sind Erfahrungen aus unserer Kindheit, in der wir schutzbedürftig waren und Überlebensmechanismen entwickelten, die uns Sicherheit gaben.
Es geht um Sicherheit!
Was wäre, wenn wir all unsere Ängste auf den Prüfstand der Sicherheit stellen würden?
Würde dabei herauskommen, dass vieles, wovor wir Angst haben, erst einmal keine Bedrohung im eigentlichen Sinn darstellt?
Ich glaube schon.
Warum also nicht mal „Frosch“ im positiven Sinne sein?
Wir waren schließlich alle mal „Kaulquappen“. Okay. Damals war unser Verhalten hilfreich.
Doch heute sind wir erwachsen, also „Frosch“ im übertragenen Sinn, der weiß, wie er sich schützen, aber auch mit Neuem und Ungewohntem umgehen kann.
Er muss sich nicht mehr hinter jemand anderem verstecken.
Er kann neugierig aus dem Tümpel herausspringen, weil er sich anpassen und flexibel reagieren kann.
Er kann mit Neugier die Umgebung auf dem Trockenen erkunden und, wenn es ihm doch nicht gefällt, wieder ins Wasser zurückkehren.
Ein Frosch, der sich auf den Weg macht, um seinen Lebensauftrag zu erfüllen.
Auch wenn das bedeutet, dabei eine Straße überqueren zu müssen.
Im Gegensatz zum Frosch können wir das bewusst und mit Umsicht tun. Wenn wir uns jedoch von unseren Ängsten abhalten lassen, dann wissen wir nie, was uns auf der anderen Straßenseite erwartet.
Und doch kann ein Frosch sehr geduldig sein. Wachsam beobachtet er seine Umgebung und wartet den richtigen Moment ab.
Mit seiner Sprungkraft kommt er voran und zeigt mit einem Satz seinen ganzen Mut.
Angst zu haben, das war oft lebensrettend.
In der Angst stecken zu bleiben, hindert uns jedoch an der Leichtigkeit des Lebens.
Aber gepaart mit Lebendigkeit, Aufmerksamkeit, Ruhe und zügiger Handlungsfähigkeit bleiben wir flexibel und anpassungsfähig.
Wie ein Frosch eben.
Also, warum nicht einfach mal Frosch sein?
Sich Hilfe zu suchen, wenn Ängste uns vom Leben abhalten oder es uns schwer machen, ist ein wichtiger Schritt.
