Egal, ob in der Werbung im Fernsehen, im Internet, in Zeitschriften oder auf Werbeplakaten. Überall wird uns eine perfekte Welt vorgegaukelt.

Eine ganze Kaffeemaschinen-Serie wurde „Perfecta“ genannt und ein Gebäckhersteller findet, dass der Genuss zum Kaffee nur „Perfetto“ ist, wenn er genau mit ebendiesem genossen wird.

Wohin wir auch schauen, alles scheint „perfekt“ zu sein. Von den Models bis hin zu den Stars und Sternchen.
Okay, die waren ja schon immer perfekt, oder nicht?
Aber was ist mit den Menschen in den sozialen Medien, die perfekte Momente posten? Die perfekten Körper und Styling-Tipps haben.

Bei jedem anderen scheint alles perfekter zu laufen als bei mir.

Und ich?

Weder habe ich die perfekten Maße, noch passen mir die coolen Klamotten so, wie ich sie am Model oder auf Instagram gesehen habe.
Auch mein Zuhause ist nicht perfekt. Die Geräte sind schon viele Jahre alt und meine Einrichtungsgegenstände sind nicht mehr zeitgemäß.
Auch meine Urlaubsziele entsprechen nicht dem neuesten Hype. Im Vergleich zu Werbung und dem, was ich im Internet gezeigt bekomme, scheint meine Welt einem früheren Zeitalter anzugehören.

Und da liegt der Hase begraben – Im Vergleich!

Wir vergleichen uns ständig mit anderen. Jedes Detail wird dabei abgeglichen und einer unterbewussten Prüfung unterzogen.
Die Frau im Video hat ein wunderschönes Gesicht. „Da kann ich noch so viel von dem Make-up auftragen, das sie mir vorschlägt. So werde ich nie aussehen.“
Der Mann mit dem Waschbrettbauch aus der Werbung für Aufstrich hat einfach bessere Gene.
Die coole Couch aus der Wohnzeitschrift ist viel schöner als mein durchgesessenes Sofa.

Aber mit was vergleichen wir uns eigentlich?

Manches, was wir als Vergleichsbasis heranziehen, sind Momentaufnahmen.
In den Medien werden immer nur die „perfekten” Momente gezeigt. Von 100 Bildern eines Motivs schafft es vielleicht nur eines in die Werbung oder in den Beitrag.

Auch die Nachbearbeitung der angeblich „perfekten“ Bilder ist ein großer Bluff, dem wir in unserem Vergleich unterliegen. Vielleicht ist die Haut im Gesicht leicht gerötet oder der Oberarm hat nicht die richtigen Maße. Schwups, schon ist es dem aktuellen Schönheitsideal entsprechend überarbeitet und „perfekt“.

Was ist mit den vielen Fake-Fotos? Zum Beispiel die künstlichen Plastikgerichte auf einem Teller, die uns das perfekte Dinner zeigen sollen. Oder mit Haarspray und Co. aufgepimpte Pflanzen, die angeblich nur so vor Gesundheit und prallen Farben strotzen. Oder der aufgebrushte Waschbrettbauch und die perfekt geschminkten Gesichtszüge, die Doppelkinn und Co. einfach wegzaubern. Von KI Perfektionismus will ich hier gar nicht reden.

Wo bleibt hier das echte Leben?

Mit „echt“ meine ich, wie diese Dinge im echten Leben aussehen würden. In der Regel nicht so, wie es den Anschein hat.

Ein Vergleich mit den oben genannten Momenten oder optimierten Darstellungen ist nicht realistisch. Wenn wir uns dessen bewusst sind, sieht unser Leben und unser Umfeld vielleicht gar nicht so schlecht aus.

Aber auch der Vergleich mit realen Dingen – beispielsweise der alten mit der neuen Couch – ist eine Perfektionsfalle, in die wir tappen, wenn wir den Vergleich mit Besserem, Schönerem und Neuerem ziehen.

Der Vergleich nach „oben“ ist nicht immer günstig!

Erfahrungsgemäß vergleichen wir uns eher mit Dingen, die wir aktuell nicht haben oder für die wir die entsprechenden Fähigkeiten oder Ressourcen nicht mitbringen.

Es geht immer „höher“, „weiter“, „schneller“ und „schöner“.

Tatsächlich spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, sich Motivationsschübe aus dem „Vergleich nach oben“ zu holen. Das sind Impulse, die ich vielleicht noch nicht in meinem Leben beachtet oder gesehen habe. Aber am Ende ist dies kein Vergleich, sondern eine Inspiration. Zumindest sollten wir darauf achten, dass es auch nur dabei bleibt. Was ich damit mache, ist entscheidend.

Wenn ich meinen eigenen Weg suche und gehe, darf ich mich gerne im Äußeren umsehen. Aber dann mache ich genau das, was zu mir passt und mir guttut. Verlasse ich diesen Weg und mein Bauchgefühl, sinkt auch schnell meine Stimmung auf den Nullpunkt. Ich werde nie so sein wie andere.

Glücklicherweise natürlich nicht!

Wenn wir uns schon vergleichen müssen, dann bitte nur mit uns selbst.

Ich finde es toll, dass wir alle unterschiedlich sind. Jeder ist auf seine Weise „unperfekt”. Und das ist auch gut so. Eine Welt, in der alles perfekt ist, gibt es nicht. Natürlich dürfen wir immer an unserer Selbstentwicklung arbeiten. Was mir, meinen Neigungen und meiner Entwicklung hin zu Zufriedenheit und Wohlbefinden dient, empfehle ich sogar, weiter auszubauen. Dabei handelt es sich nicht um ein Wettrüsten mit anderen, sondern um ein Wachstum, das ausschließlich auf eigenen Werten und Maßstäben basiert.

Und hier kommt das Entscheidende:

Wenn überhaupt, dann vergleiche ich mich nur mit mir selbst und frage mich, wo ich zum Beispiel vor einem Jahr gestanden habe. Ich frage mich, welche Entwicklungssprünge ich gemacht habe und wo ich meinen Zufriedenheits- und Wohlbefinden-Level ausbauen oder verbessern konnte.

Aber auch ohne Weiterentwicklung und Ausbau kann ich zufrieden sein, wenn es mir gut geht und ich mich genau richtig und wohl fühle, wo ich gerade bin. Wer sagt, dass ich ständig an mir arbeiten muss?

Das erinnert mich stark an die kognitive Verhaltenstherapie nach Albert Ellis (REVT). Dabei geht es darum, die vielen „Müssen-Anforderungen” in unserem Leben zu erkennen und in hilfreichere und angemessenere Gedanken umzuwandeln.

Das „Müssen” setzt uns so sehr unter Druck und entsteht oft durch den Blick auf den scheinbaren „Perfektionismus” in unserer Umwelt. Noch schlimmer ist es, wenn ich diesen zu meiner Norm gemacht habe. Wenn ich ihn zu einem meiner „Werte” im Leben gemacht habe.

Ist das wirklich erstrebenswert?

Ich achte immer wieder auf meinen Zufriedenheits- und Wohlbefindenslevel und vergleiche ihn mit meinen selbst auferlegten Ansprüchen. So entdecke ich schnell, ob ich wieder in die Vergleichsmentalität mit dem Äußeren oder die absolutistische „Ich muss“-Strategie verfallen bin.

Wie geht es dir mit dem „Perfektionismus“ im Äußeren oder vielleicht sogar in deinem Inneren?

Abhilfe kann hier tatsächlich eine geführte „Bestandsaufnahme” mit einem erfahrenen Therapeuten oder Coach sein. Natürlich empfehle ich die REVT. Sie hilft uns, wenn wir selbst nicht mehr weiterkommen oder uns in unseren Anforderungen an uns selbst zu sehr verstrickt haben. Termine dafür gibt es natürlich auch in meiner Praxis. (zur Terminbuchung).

Perfektionismus und der Vergleich sind meiner Meinung nach eine der schlimmsten Angewohnheiten unserer Gesellschaft – und ich erliege ihnen hin und wieder auch.

In solchen Fällen darf auch ich mir sagen:

Ich bin nicht perfekt.