Gerade habe ich von einem guten Freund erfahren, dass sein Cousin ganz plötzlich und unerwartet verstorben ist.
Das ist ein Schock für die ganze Familie und den Freundeskreis.
Die Welt steht still.
„Das war doch noch kein Alter.“
„Wie kann das sein? Gestern war er noch hier und heute Morgen ist er nicht mehr aufgewacht.“
„Wie wird die Mutter das verkraften?“
Es schießen einem ganz viele Fragen durch den Kopf.
Man will das Unbegreifliche begreifen.
Doch tatsächlich müssen wir uns bei einer solchen Nachricht irgendwann eingestehen, dass wir keine Kontrolle haben.
Ich plädiere aber dafür, dass dies im eigenen Tempo geschehen darf.
Natürlich können wir weder die Reihenfolge bestimmen, in der nahestehende Menschen von uns gehen, noch unseren eigenen Tod vorhersagen. Sicherheit gibt es bei diesem Thema nicht.
Und das macht uns Menschen Angst.
Wir rechnen einfach nicht damit, dass morgen alles anders sein könnte.
Es trifft andere, aber nicht mich.
So habe ich auch gedacht, doch selbst kurz vor der erschütternden Wahrheit, der Null-Linie auf dem Monitor, habe ich nicht geglaubt, dass es passiert.
Heute denke ich anders darüber.
Aber das war und ist immer noch ein Prozess.
Trauer und Tod waren in früheren Zeiten ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens in der Gemeinschaft. In unserer modernen Gesellschaft sind sie jedoch ein Tabuthema.
Darüber spricht man nicht.
Das kann doch nicht sein, nicht in unserer modernen Welt mit einem so fortgeschrittenen Gesundheitswesen, der Longevity-Bewegung und einer Gesetzgebung, die unser Rentenalter immer weiter hinausschiebt.
Und doch sterben wir.
Unsere Lieben sterben.
Schnell zurück zum Alltag, zum Verdrängen, zur „Normalität“.
Und was ist mit denen, die den Verlust ganz hautnah erleben?
Deren Welt in diesem Moment stillzustehen scheint?
Was ist mit deren Bedürfnis, den Tod und die Realität in ihrem eigenen Tempo begreifen und in den Alltag integrieren zu dürfen?
Ihre veränderte Welt und ihr verändertes Ich behutsam und sanft annehmen zu können?
Nicht immer werden sie aufgefangen und können ihre ganz individuelle Trauer leben.
Dabei ist es so wichtig, die Trauer zu spüren und zuzulassen.
Erst dann kann Heilung geschehen und der unmenschlich scheinende Schmerz getragen werden.
Trauern werden wir immer, so habe ich gelernt.
Der Schmerz ändert sich.
Dafür müssen wir ihn aber zuerst zulassen und spüren. Ohne ihn geht es nicht.
Und das ist es, was wir heute nicht mehr aushalten möchten. Den Schmerz.
Deshalb soll alles so schnell wie möglich zum Alltag zurückkehren.
Auch ich habe diese Erfahrung gemacht und viel zu lange versucht, den Schmerz zu meiden – doch er hat mich eingeholt und seine Aufmerksamkeit eingefordert.
Unerbittlich, doch wie ich heute weiß, auch heilsam.
Wenn wir verstehen, dass der Schmerz immer so groß ist wie unsere Liebe, dann verstehen wir auch, warum es beide nicht losgelöst voneinander geben kann.
Wir sollten wieder beginnen, Tod und Trauer so zu sehen, wie sie sind.
Sie sind ein Teil von uns, wie Leben und Freude.
Elisabeth Kübler-Ross hat nicht umsonst 1969 die fünf Trauerphasen formuliert.
Verdrängung, Wut, Verhandlung, Depression und Akzeptanz.
Es sind Phasen, die wir in der Trauer mehr oder weniger stark, parallel oder in ganz unterschiedlicher Reihenfolge durchleben.
Sie sollen uns die Trauer wieder greifbarer und begreifbarer machen.
Das sind, wie ich finde, auch die Grundrechte eines Trauernden, die wir als Gesellschaft akzeptieren und vor allem mittragen sollten.
Und deshalb darf die Welt auch erst einmal stillstehen.
Wer einen Raum sucht seine Trauer leben zu dürfen und wieder den Weg ins Leben in seinem Tempo gehen möchte, dem lege ich die neue Trauergruppe „wageMut“ ab Herbst 2026 ans Herz. Um mehr zu „wageMut“ zu erfahren, darfst du dich zum Informationsabend hier anmelden. Lies auch gerne dazu unter den Angeboten nach oder nutze bereits jetzt schon die unverbindliche Voranmeldung zur Gruppenteilnahme.
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