In meiner Praxis sehe ich oft Menschen, die nicht mehr können. Sie leiden still und leise und würden sich am liebsten vor der Welt verstecken.
Sie haben viel erlebt und sind am Ende ihrer Kräfte.
Im Alltag funktionieren sie irgendwie noch. Sie hoffen auf den nächsten Urlaub, der jedoch nicht die erhoffte Erholung bringt. Sie versuchen, in jeder ruhigen Minute auf dem Sofa Kraft zu tanken, merken aber nicht, wie sehr sie diese Spirale noch weiter nach unten zieht.
Das, was sie erschöpft hat, was vielleicht der letzte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte, ist häufig bereits nicht mehr da.
Aber die Erschöpfung und die depressive Verstimmung sind geblieben
Wir alle tragen „alte Wunden“ mit uns herum.
Diese stammen häufig aus der Kindheit und können Einzelerlebnisse, wiederholte Verletzungen oder andauerndes Leid sein.
Manche kommen damit im Erwachsenenalter gut zurecht. Sie erkennen, dass das, was war, nicht mehr ist, und dass neue Erfahrungen anders bewältigt werden können.
Andere hingegen erleben bei neuen, heutigen Ereignissen diese „alten Wunden“ erneut. Häufig geschieht dies sehr unbewusst. Es sind die Muster und Bewältigungsstrategien, die wir uns damals zugelegt haben und die sich wie ein Programm automatisch abspielen.
Ein Beispiel ist der Schmerz der Ablehnung in der Kindheit, der sich wie ein roter Faden durch das Erwachsenenleben zieht.
Der Job, den man nicht bekommt, obwohl man genau die richtige Person dafür wäre.
Die nicht funktionierende Beziehung und das langsame Auseinanderleben.
Das Nichtgesehenwerden, wenn wir hingebungsvoll die alten Eltern zu Hause pflegen und der weit entfernte Sohn oder die Tochter die meiste Aufmerksamkeit bekommt.
Der Tod eines geliebten Menschen, der uns einfach so im Stich lässt.
Es gibt viele Beispiele dafür, warum wir uns abgelehnt fühlen können.
Hier kommen die „alten Wunden“ ins Spiel.
Heute sehen wir nicht mehr, was wir damals erfahren haben. Wir haben vergessen oder verdrängt, wo und warum wir uns abgelehnt gefühlt haben. Unsere erwachsene Sicht auf die Kindheit lässt uns diese Erfahrung nicht mehr erkennen. Damals hat das Kind oder der Jugendliche wunderbare Schutzmaßnahmen erdacht und wirkungsvoll angewendet. Wenn es funktioniert, ist es gut. Das ist eine Strategie, die ich automatisch abspiele.
Das Problem ist: Diese Strategien sind häufig nicht mehr geeignet, wenn man erwachsen ist
Diese Muster zu erkennen und in hilfreichere Gedanken und Handlungen umzuwandeln, ist harte Arbeit. In der kognitiven Verhaltenstherapie versucht man, genau diese Muster aufzudecken und umzustrukturieren.
Eine wirklich hilfreiche und erfolgversprechende Therapie!
Und doch bleiben manche Menschen in ihrem „Loch” stecken. Sie finden den Ausgang nicht und bleiben in einem scheinbar endlosen Kampf, herauszukriechen, irgendwann am Boden liegen.
Hier habe ich gute Erfahrungen mit Bachblüten gemacht. Wenn nichts mehr geht und der Mensch das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen kann.
Vielleicht ist es dann Zeit, die „Trostblüte“ anzuwenden
Der eine oder andere kennt sie: Star of Bethlehem, auch bekannt als der doldige Milchstern.
In den Rescue-Tropfen ist diese Blüte ein wichtiger Bestandteil und bei akuten, schockartigen Zuständen der erste wirksame Teil. Nicht umsonst greifen Mütter gerne zu den Rescue-Tropfen, wenn ihre Kinder gestürzt sind oder mit einer schlechten Schulnote nach Hause kommen.
Was viele aber nicht wissen, ist, dass „Star of Bethlehem“ auch ein wahrer Star ist, wenn es darum geht, alte Muster zu lösen. Wenn eine „alte Wunde“ wortwörtlich erstarrt ist.
Die Blüte spendet Trost und Zuversicht, wo scheinbar keine Worte mehr durchdringen.
Wenn Hoffnung verloren ist und die Sicht durch tiefste Trauer verschleiert ist.
Auch Zustände tiefer Erschöpfung können durch frühere Begebenheiten entstehen. Zwar wählt man hier häufig andere Bachblüten als erste Maßnahme, doch sollte man auch immer den Doldigen Milchstern in Erwägung ziehen.
Er kann etwas Erstarrtes wieder in Fluss bringen und Trost spenden, wo das Leid besonders tief sitzt. Dadurch können auch die anderen Blüten in einer Mischung ihre volle Wirkung entfalten.
Bachblüten sind subtile Helfer
Bei seiner Entdeckung der wundervollen Bachblüten war Dr. Bach stets darauf bedacht, dass diese einfach anzuwenden sind und keine Nebenwirkungen haben.
Er erkannte auch, dass Menschen mit „alten Wunden” tiefliegende Gemütszustände haben, die nur langsam an die Oberfläche geholt und verarbeitet werden sollten.
Bei der Wahl der Blüten steht manchmal nicht die ursprünglichste Emotion im Vordergrund, die als Grundmuster die erste Schicht bildet.
Wie bei einer Blüte, die sich langsam öffnet, war er der Meinung, dass erst Blatt für Blatt abgeschält werden müsse, bevor sich das eigentliche Thema zeigt und im besten Fall gelöst werden kann.
Der Vorteil der „Trostblüte“ besteht darin, dass sie das, was im Prozess der Ablösung ins Stocken geraten ist, wieder in Bewegung bringen kann.
Emotion heißt nicht umsonst auf Englisch „Energy in motion“
Auf Deutsch bedeutet es umgangssprachlich „Energie in Bewegung“.
Die subtile Wirkungsweise der Bachblüten ist häufig nicht sofort oder deutlich nach der Anwendung spürbar, sondern entfaltet sich wie das Öffnen einer Blüte.
Langsam und behutsam.
Genau das ist in den meisten Fällen auch notwendig.
Wer am Boden liegt, darf sich erst einmal vorsichtig aufrichten und sich umsehen, wenn er bereit ist.
Wenn er erkennt, dass er dort nicht bleiben will, entwickelt sich der nächste Schritt. Diese Entscheidung muss er in Ruhe und mit Vorsicht treffen. Erst dann ist er bereit, langsam aufzustehen und nach dem Licht zu suchen.
Hier helfen weitere Bachblüten, die sich im Prozess immer wieder anpassen. Je nach Fortschritt und Erkenntnis.
Doch die wichtigste Blüte bleibt meist noch lange die „Star of Bethlehem“.
Trost ist etwas, das wir in unserem Inneren fühlen müssen.
