Vor über einem Jahrzehnt hielt ich die ersten Schmerzen in meinen Fingern und Zehen für eine beginnende Arthrose. Vor allem morgens brauchten meine Gelenke eine Weile, bis sie in Bewegung kamen. Dazu kamen kleine Veränderungen, die ich zunächst gar nicht richtig einordnen konnte. Ich war schneller gereizt, weniger belastbar und fragte mich, warum mir manches plötzlich mehr Kraft kostete als früher.

Damals hätte ich mir ein Buch wie Woman on Fire von Dr. Sheila de Liz gewünscht.

Heute wird viel darüber gesprochen und das freut mich sehr. Das Thema Wechseljahre bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und vieles darin bestätigt gefunden – sowohl aus meiner eigenen Erfahrung als auch aus meiner Arbeit als Heilpraktikerin.

Die Wechseljahre beginnen nämlich nicht erst mit dem Ausbleiben der Periode. Bereits gegen Ende der Dreißigerjahre verändert sich der Hormonhaushalt langsam. Die Prämenopause schleicht sich oft unbemerkt in den Alltag. Der Zyklus wird etwas unregelmäßiger, die Belastbarkeit nimmt vielleicht ein wenig ab und Situationen, die früher leicht zu bewältigen waren, kosten plötzlich deutlich mehr Energie.

In den Jahren der Perimenopause werden diese Veränderungen häufig deutlicher. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Muskel- und Gelenkbeschwerden oder Herz-Kreislauf-Symptome gehören zu den bekannten Begleiterscheinungen. Was jedoch oft weniger Beachtung findet, sind die Veränderungen unserer Gefühlswelt.

Viele Frauen berichten, dass sie schneller gereizt sind, sich schlechter konzentrieren können oder das Gefühl haben, ständig unter Strom zu stehen. Andere erleben eine innere Unruhe oder depressive Verstimmungen. Der sogenannte Brain Fog lässt Gedanken verschwimmen, obwohl man früher mehrere Dinge gleichzeitig problemlos bewältigen konnte.

Diese Veränderungen entstehen nicht einfach, weil wir älter werden.

Die hormonelle Umstellung spielt dabei eine große Rolle. Gleichzeitig befinden sich viele Frauen gerade in dieser Lebensphase mitten im Berufsleben, kümmern sich um Familie, Eltern oder Enkelkinder und tragen oft eine enorme Verantwortung. Körper und Seele leisten Höchstarbeit.

Gerade deshalb lohnt es sich, diese Zeit nicht einfach auszuhalten. Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern ein natürlicher Lebensabschnitt. Und wie jede Veränderung verlangen sie nach einer gewissen Anpassung.

Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, dass kleine Veränderungen im Alltag erstaunlich viel bewirken können. Bewegung gehört dazu, allerdings nicht nach dem Motto „höher, schneller, weiter“. Oft sind Spaziergänge in der Natur, moderates Krafttraining, Schwimmen, Yoga oder Qigong genau das Richtige, um den Körper wieder in Balance zu bringen und gleichzeitig das Nervensystem zu entlasten.

Auch die Ernährung darf sich verändern.

Eine mediterrane, entzündungshemmende Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, hochwertigen Eiweißen und gesunden Fetten unterstützt den Körper in dieser Phase. Leinsamen, Sojaprodukte, Kichererbsen oder Brokkoli liefern wertvolle Phytoöstrogene. Ballaststoffe fördern gleichzeitig eine gesunde Darmflora, die wiederum Einfluss auf unser Immunsystem und sogar auf unsere Stimmung nimmt.

Ebenso wichtig ist eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Vitamin D, B-Vitamine, Magnesium oder – wenn erforderlich – Eisen können den Körper sinnvoll unterstützen. Auch pflanzliche Begleiter wie Melisse, Brennnessel oder Cimicifuga kommen je nach individueller Situation infrage. Dabei lohnt sich immer eine persönliche Beratung, denn nicht jedes Naturheilmittel passt zu jeder Frau oder zu jeder Vorerkrankung.

Ein Bereich, der mir besonders am Herzen liegt, ist die mentale Gesundheit.

Unsere Hormone verändern sich – aber auch unsere Sicht auf das Leben.

Viele Frauen beginnen in dieser Zeit deutlicher zu spüren, was ihnen guttut und was nicht mehr zu ihnen passt. Grenzen werden klarer. Das Nein fällt leichter. Beziehungen, Verpflichtungen oder Gewohnheiten, die über Jahre selbstverständlich waren, werden hinterfragt.

Ich empfinde diese Entwicklung nicht als Verlust, sondern als Chance.

Vielleicht liegt darin sogar etwas sehr Wertvolles. Früher galten Frauen in und nach den Wechseljahren oft als die weisen Frauen einer Gemeinschaft. Sie wurden um Rat gefragt, weil sie Lebenserfahrung gesammelt hatten und mehr in ihrer Mitte ruhten. Dieser Gedanke gefällt mir sehr.

Natürlich verschwinden Beschwerden dadurch nicht von heute auf morgen. Aber wir können lernen, ihnen mit mehr Gelassenheit zu begegnen. Atemübungen, Entspannungstechniken, Qigong oder Yoga helfen vielen Frauen dabei, das Nervensystem zu beruhigen und wieder mehr innere Stabilität zu finden. Auch eine gesunde Darmflora, ausreichend Schlaf und kleine Auszeiten im Alltag sind keine Nebensächlichkeiten, sondern wichtige Bausteine unseres Wohlbefindens.

Die Menopause selbst beschreibt übrigens lediglich den Zeitpunkt der letzten Regelblutung. Danach beginnt die Postmenopause. Auch in dieser Zeit braucht der Körper noch einige Jahre, bis sich die Hormone auf einem neuen Niveau eingependelt haben. Geduld mit sich selbst bleibt deshalb ein wertvoller Begleiter.

Je länger ich Frauen in dieser Lebensphase begleite, desto mehr wächst meine Überzeugung, dass die Wechseljahre nicht nur Abschied bedeuten.

Sie eröffnen auch die Möglichkeit, das eigene Leben neu auszurichten.

Wir dürfen lernen, unsere Energie bewusster einzuteilen, auf unseren Körper zu hören und uns die Fürsorge zu schenken, die wir oft jahrzehntelang anderen gegeben haben.

Gefühle verändern sich in den Wechseljahren. Das gehört zu diesem Lebensabschnitt dazu. Mit Wissen, Selbstfürsorge und einem liebevollen Blick auf den eigenen Körper können sie jedoch ihren ungeliebten Ruf verlieren.

Gelassen durch die Wechseljahre zu gehen bedeutet nicht, keine Beschwerden zu haben. Es bedeutet, den eigenen Weg zu finden – mit medizinischer Unterstützung, wenn sie sinnvoll ist, naturheilkundlichen Ergänzungen und mit allem, was Körper und Seele in dieser besonderen Zeit stärkt.